Motorradkette reinigen, schmieren und spannen: So hält sie deutlich länger
Kaum ein Teil am Motorrad arbeitet so hart und bekommt so wenig Aufmerksamkeit wie die Kette. Sie überträgt die komplette Motorkraft auf das Hinterrad, fängt Regen, Staub und Streusalz ab und läuft dabei ungeschützt direkt über dem Asphalt. Eine gepflegte Kette hält gut und gerne 25.000 Kilometer oder mehr. Eine vernachlässigte ist manchmal schon nach der Hälfte fertig. Der Unterschied liegt in ein paar Minuten Pflege alle paar Wochen.
Kaum ein Teil am Motorrad arbeitet so hart und bekommt so wenig Aufmerksamkeit wie die Kette. Sie überträgt die komplette Motorkraft auf das Hinterrad, fängt Regen, Staub und Streusalz ab und läuft dabei ungeschützt direkt über dem Asphalt. Eine gepflegte Kette hält gut und gerne 25.000 Kilometer oder mehr. Eine vernachlässigte ist manchmal schon nach der Hälfte fertig. Der Unterschied liegt in ein paar Minuten Pflege alle paar Wochen.
Zuerst prüfen: Lohnt sich die Pflege noch?
Bevor du mit Reiniger und Spray loslegst, schau dir den Zustand der Kette an. Es gibt zwei schnelle Tests. Zieh die Kette hinten am Kettenrad auf Höhe der Achse nach hinten. Lässt sie sich so weit abheben, dass du einen halben Zahn oder mehr siehst, ist sie gelängt. Dann sieh dir die Zähne von Kettenrad und Ritzel an. Sind sie spitz und einseitig abgenutzt, sogenannte Haifischzähne, ist der Satz am Ende.
Achte außerdem auf steife Glieder, die beim Durchdrehen des Rads nicht mehr sauber abknicken. Auch Rost zwischen den Laschen oder fehlende O-Ringe sind ein Zeichen dafür, dass die Kette raus muss.
In dem Fall gilt eine einfache Regel: Kette, Ritzel und Kettenrad werden immer zusammen getauscht. Eine neue Kette auf alten Zähnen verschleißt in kurzer Zeit wieder, und das Geld ist weg. Passende Kettensätze, sortiert nach Hersteller und Modell, gibt es zum Beispiel bei UK-Motors. Ist die Kette dagegen noch in Ordnung, geht es mit der Reinigung weiter.
Motorradkette reinigen: So geht es richtig
Fett und Schmutz bilden mit der Zeit eine schwarze Paste, die wie Schleifmittel wirkt. Sie gehört runter, bevor neues Spray drauf kommt. Sonst schmierst du den Dreck nur tiefer zwischen die Glieder.
Am leichtesten geht es mit dem Motorrad auf dem Montageständer, weil sich das Hinterrad dann frei drehen lässt. Ohne Ständer arbeitest du dich Stück für Stück vor und schiebst das Motorrad zwischendurch ein Stück weiter.
- Kettenreiniger großzügig auf die Kette sprühen und kurz einwirken lassen.
- Mit einer Kettenbürste, die alle drei Seiten der Kette gleichzeitig erreicht, den Schmutz lösen.
- Mit einem Lappen gründlich nachwischen.
- Rad drehen und das Ganze wiederholen, bis die Kette rundum sauber ist.
- Die Kette vollständig trocknen lassen.
Vorsicht bei der Wahl des Mittels. Fast alle modernen Motorradketten haben O-, X- oder Z-Ringe. Diese kleinen Dichtungen halten das Fett im Inneren der Glieder. Aggressive Lösungsmittel greifen sie an. Bremsenreiniger, Benzin und der Hochdruckreiniger haben an der Kette deshalb nichts verloren. Der Wasserstrahl drückt Schmutz und Wasser an den Dichtungen vorbei genau dorthin, wo es nicht hingehört.
Motorradkette reinigen mit Hausmitteln
Wer keinen speziellen Kettenreiniger zur Hand hat, kann auf Petroleum zurückgreifen. Es löst alten Schmier gut und gilt als schonend für die Dichtringe. Auch Diesel funktioniert. Er hinterlässt aber einen öligen Film, der gründlich abgewischt werden muss, sonst hält das neue Kettenspray schlechter. Ein Pinsel und ein alter Lappen reichen als Werkzeug. Spülmittel mit Wasser entfernt dagegen nur losen Dreck, aber kaum das verharzte Fett.
Das richtige Kettenspray
Beim Kettenspray gibt es grob zwei Richtungen. Klassische Haftschmierstoffe kriechen in die Kette und bilden danach einen zähen Film. Sie halten gut, auch bei Regen. Bei Fahrten auf staubigen Wegen ziehen sie aber Schmutz an. Trockenschmierstoffe, oft als Dry Lube bezeichnet, bleiben nach dem Ablüften fast nicht klebrig. Für Enduro- und Schotterfahrer sind sie die bessere Wahl. Dafür muss man öfter nachsprühen.
Ein praktisches Detail: Weißes Kettenspray zeigt sofort, wo schon Schmierstoff gelandet ist und wo nicht. Gerade beim ersten Mal hilft das, nicht zu viel aufzutragen.
So wird gesprüht
Am besten schmierst du die Kette nach einer Fahrt, wenn sie noch handwarm ist. Dann zieht der Schmierstoff besser zwischen die Glieder.
- Auf die Innenseite des unteren Kettentrums sprühen, also dort, wo die Kette auf die Zähne läuft.
- Dabei gezielt auf die Rollen und Dichtringe zielen, nicht auf die Außenseite der Laschen.
- Langsam das Rad drehen, bis jedes Glied etwas abbekommen hat.
- Überschuss mit einem Lappen abnehmen.
- Mindestens eine halbe Stunde ablüften lassen, besser über Nacht.
Wer direkt nach dem Sprühen losfährt, findet das meiste Spray später auf Felge, Reifen und Kennzeichen wieder. Spray auf dem Reifen ist gefährlich, also lieber einmal mehr hinschauen.
Als Faustregel gilt: alle 500 bis 1.000 Kilometer schmieren und nach jeder Regenfahrt. Reinigen reicht etwa jedes zweite oder dritte Mal oder wenn die Kette sichtbar verdreckt ist.
Motorradkette spannen
Eine zu lockere Kette schlägt, kann im schlimmsten Fall abspringen und verschleißt schneller. Eine zu straffe Kette ist aber noch schlimmer. Sie belastet die Lager des Getriebeausgangs und des Hinterrads, und beim Einfedern fehlt ihr der nötige Spielraum.
Den richtigen Durchhang findest du in der Bedienungsanleitung. Bei vielen Straßenmaschinen liegt er grob zwischen 20 und 40 Millimetern, gemessen in der Mitte des unteren Trums. Enduros brauchen wegen des längeren Federwegs meist deutlich mehr. Die oft zitierte Faustregel von zwei Fingern Spiel, die auch der ADAC nennt, ist ein guter Anhaltspunkt für unterwegs. Für die genaue Einstellung zählt aber der Wert des Herstellers.
So gehst du beim Spannen vor:
- Rad drehen und die straffste Stelle der Kette suchen. Ketten längen sich nicht ganz gleichmäßig, und gemessen wird immer dort.
- Die Achsmutter am Hinterrad lösen.
- Die Kettenspanner links und rechts gleichmäßig nachstellen. Die Markierungen an der Schwinge helfen dabei, dass das Rad gerade bleibt.
- Durchhang erneut messen.
- Achsmutter mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen und die Kontermuttern der Spanner festziehen.
- Zum Schluss noch einmal messen. Beim Anziehen der Achse verändert sich die Spannung manchmal leicht.
Steht das Hinterrad schief, läuft die Kette schräg über die Zähne und frisst sich einseitig ab. Wer ganz sicher gehen will, prüft die Flucht mit einem Kettenfluchtlaser oder einer langen Richtlatte entlang des Rads.
Kurz zusammengefasst für die Garage
- Vor der Pflege den Verschleiß prüfen und bei Bedarf den ganzen Kettensatz tauschen
- Mit Kettenreiniger oder Petroleum reinigen, nie mit Bremsenreiniger oder Hochdruck
- Warm schmieren, auf die Innenseite sprühen, gut ablüften lassen
- Alle 500 bis 1.000 Kilometer und nach Regen nachschmieren
- Durchhang an der straffsten Stelle nach Herstellerangabe einstellen
- Achsmutter mit Drehmoment anziehen und das Rad gerade ausrichten
Wer das ein paar Mal gemacht hat, braucht dafür kaum eine Viertelstunde. Die Kette dankt es mit ruhigem Lauf, weniger Verschleiß und einem Kettensatz, der deutlich länger durchhält.
